Lederjacke pflegen: reinigen, fetten, trocknen, lagern
Wie pflege ich eine Lederjacke?
Kurz gesagt
Wisch Staub mit einem leicht feuchten Tuch ab, gib Glattleder dünn Lederbalsam oder Ledermilch, wenn es stumpf oder steif wirkt, und imprägniere es vor der nassen Saison. Nass gewordenes Leder trocknet langsam bei Zimmertemperatur auf einem breiten Bügel, nie an der Heizung. Wildleder bekommt kein Fett, nur Bürste und Spray. Gelagert wird luftig und dunkel, ohne Plastikhülle.
In diesem Artikel
Zuerst klären: welches Leder du vor dir hast
Lies zuerst das Pflegeetikett im Futter. Dort steht meist, ob es Glattleder oder Rauleder ist und ob der Hersteller etwas ausschließt. Was dort steht, geht jedem allgemeinen Tipp vor. Glattleder hat eine geschlossene, glatte Oberfläche. Gedecktes Leder ist an der Oberfläche gefärbt und versiegelt, es verzeiht viel.
Anilinleder ist durchgefärbt und offenporig, es wirkt natürlicher, nimmt aber Schmutz und Wasser schneller auf. Rauleder, also Wildleder, Velours oder Nubuk, ist angeschliffen und fühlt sich samtig an. Unsicher? Setz einen kleinen Wassertropfen an eine verdeckte Stelle, etwa innen am Saum. Perlt er ab, ist das Leder gedeckt.
Zieht er schnell ein und dunkelt die Stelle, ist es offenporig und braucht sanftere Pflege.
Reinigen: wenig Wasser, tupfen statt reiben
Für den Alltag reicht ein weiches, kaum feuchtes Baumwolltuch. Wisch damit Staub und Straßenschmutz ab vor allem an Kragen und Bündchen. Frische Flecken tupfst du mit einem sauberen Tuch ab. Reiben drückt die Flüssigkeit tiefer ins Leder und macht den Rand größer.
Bleibt etwas zurück, nimm bei gedecktem Leder etwas milde Seife auf dem Tuch, bei Anilinleder einen Neutralreiniger wie Sattelseife. Alkohol, Aceton und lösungsmittelhaltige Reiniger lässt du weg, sie greifen Farbe und Gerbung an. Jedes neue Mittel testest du zuerst innen an einer verdeckten Stelle.
Ob eine Lederjacke in die Waschmaschine darf, ist umstritten: Mach es nur, wenn das Etikett es ausdrücklich erlaubt. Sonst wäschst du Glattleder von Hand oder gibst die Jacke in eine Fachreinigung.
Fetten: nach Gefühl, nicht nach Kalender
Leder verliert mit der Zeit Fett und wird trocken. Wie oft du nachfettest, wird unterschiedlich beantwortet: Manche raten zu jeder Saison, andere zu ein- bis zweimal im Jahr. Verlass dich deshalb auf das Leder selbst.
Zeit wird es, wenn die Oberfläche stumpf aussieht, sich rau oder steif anfühlt oder die Pflege beim Auftragen sofort einzieht. Nimm für eine Jacke Ledermilch oder Lederbalsam. Trag eine dünne Schicht mit einem weichen Tuch in kleinen Kreisen auf, lass sie einziehen und nimm den Rest mit einem trockenen Tuch ab. Weniger ist hier mehr.
Zu viel Fett macht die Oberfläche schmierig, zieht Staub an und kann das Leder schwer und formlos machen. Rauleder bekommt nie Fett oder Öl, das verklebt die samtige Oberfläche.
Imprägnieren: vor dem ersten Regen
Ein Imprägnierspray lässt Wasser abperlen, bevor es ins Leder zieht. Sprüh die Jacke am besten vor dem ersten Tragen ein und erneuere den Schutz nach jeder gründlichen Reinigung, weil Wasser und Seife ihn abtragen. Häng die Jacke dafür auf einen Bügel und schließ den Reißverschluss.
Sprüh im Freien oder bei offenem Fenster aus etwa dreißig Zentimetern Abstand gleichmäßig über die ganze Fläche. Danach lässt du sie in Ruhe trocknen, getrennt von anderer Kleidung. Nimm ein Spray, das für deine Lederart ausgewiesen ist. Für Wildleder und Nubuk ist ein feines Spray der einzige Schutz, den du auftragen solltest.
Nass geworden: langsam trocknen lassen
Wasser allein ruiniert eine Lederjacke nicht. Schaden entsteht meist beim Trocknen. Tupf zuerst die Nässe mit einem trockenen Tuch ab und häng die Jacke auf einen breiten Bügel, bei Zimmertemperatur und an einem luftigen Ort. Heizung, Föhn und pralle Sonne sind tabu.
Heiße, trockene Luft macht Leder hart und spröde, im schlimmsten Fall entstehen feine Risse. Zieh Ärmel, Kragen und Schultern in Form, solange das Leder noch feucht ist, denn beim Trocknen zieht es sich leicht zusammen. Zieh die Jacke ab und zu kurz an und beweg dich darin, so bleibt sie geschmeidig.
Häng sie erst in den Schrank, wenn sie ganz trocken ist, sonst droht Schimmel. Fühlt sie sich danach rau an, gib ihr eine dünne Schicht Pflege.
Lagern: Bügel, Luft, Dunkelheit
Ein breiter, abgerundeter Holzbügel trägt die Schultern, ohne dass sich Beulen ins Leder drücken. Dünne Drahtbügel ziehen die Schulterpartie mit der Zeit nach unten. Bewahr die Jacke kühl, trocken und dunkel auf. Sonnenlicht bleicht die Farbe aus, Wärme trocknet das Leder aus.
Lass ihr im Schrank etwas Platz, damit Luft drankommt und sich keine Knicke einprägen. Plastikhüllen halten Feuchtigkeit fest und begünstigen Schimmel und Geruch. Nimm stattdessen eine atmungsaktive Hülle aus Stoff. Leg die Jacke nicht monatelang gefaltet in eine Kiste, tiefe Falten bleiben sonst.
Noch offen
Wie pflege ich eine Wildlederjacke?
Arbeite trocken. Eine Bürste mit Gummilamellen nimmt Staub auf und richtet den Flor wieder auf, für hartnäckige Stellen gibt es Radierer für Nubuk und Wildleder. Fettflecken bestäubst du mit Speisestärke oder Trockenshampoo und bürstest sie später aus. Fett, Öl und Ledermilch bleiben weg, geschützt wird nur mit Spray, und gewaschen wird in der Fachreinigung.
Wie bekomme ich Falten aus einer Lederjacke?
Häng die Jacke nach dem Duschen ins warme Badezimmer, der Dampf entspannt das Leder und viele Falten glätten sich. Für hartnäckige Knicke kannst du das Leder mit dem Föhn auf niedriger Stufe leicht anwärmen und mit der Hand glatt streichen. Bügle nie direkt, höchstens auf kleiner Stufe mit einem Tuch dazwischen.
Kann ich eine alte, steife Lederjacke wieder weich bekommen?
Oft ja. Reinige sie zuerst sanft, dann pflege sie in mehreren dünnen Schichten mit Lederbalsam, bei sehr trockenem Leder auch mit einem flüssigen Lederöl, und lass jede Schicht einziehen. Trag sie danach, Bewegung macht Leder geschmeidig. Bei Rissen, offenen Nähten oder kaputtem Futter ist ein Fachbetrieb für Leder die bessere Adresse.
Wie oft sollte ich eine Lederjacke reinigen?
Staub wischst du nach Bedarf ab, bei viel getragenen Jacken alle paar Wochen. Gründlich gereinigt wird meist ein- bis zweimal im Jahr, gut passt das Ende der Heizperiode. Nach jeder gründlichen Reinigung fettest du nach und imprägnierst neu.
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