
Zustandsangaben bei Second Hand: Neu, Sehr gut, Gut, Getragen
Was bedeuten die Zustandsangaben bei gebrauchter Kleidung?
Kurz gesagt
Die Zustandsangabe sagt, wie stark ein Teil schon benutzt wurde. Neu heisst ungetragen, meist noch mit Etikett. Sehr gut heisst selten getragen, ohne sichtbare Spuren. Gut heisst regelmässig getragen, mit leichten Spuren wie Waschkanten. Getragen heisst deutliche Spuren, die in Beschreibung und Fotos einzeln benannt sind.
In diesem Artikel
Neu heisst ungetragen — nicht unbedingt frisch aus dem Laden
Ein Teil in dieser Stufe wurde nie getragen und hat keine Mängel. Häufig hängt das Etikett noch dran, manchmal wurde es abgeschnitten, ohne dass das Stück je aus dem Schrank kam. Was trotzdem vorkommen kann: Faltkanten vom Lagern, ein leicht eingedrückter Kragen, ein verblasster Karton. Das sind Lagerspuren, keine Gebrauchsspuren.
Wenn dir die Unterscheidung wichtig ist, achte in der Beschreibung darauf, ob von Etikett oder nur von ungetragen die Rede ist.
Sehr gut: ein paar Mal getragen, sonst nichts
Hier wurde das Teil ein- bis wenige Male angezogen und gewaschen. Der Stoff ist noch fest, Bündchen an Ärmeln und Saum ziehen sich zusammen, der Print zeigt keine Risse. Auf Armlänge sieht man dem Stück nicht an, dass es gebraucht ist.
Was du prüfen kannst: die Innenseite des Kragens, wo Reibung zuerst sichtbar wird, und die Achselbereiche auf erste Knötchen. Beides ist in dieser Stufe normalerweise sauber.
Gut: benutzt und gepflegt
Diese Stufe ist die ehrlichste — das Teil war im Einsatz und sieht auch so aus. Typisch sind leichte Waschspuren, eine minimal ausgeblichene Farbe, erste Knötchen unter den Armen, ein Print mit feinen Rissen im Aufdruck. Bei Jeans werden Knie und Gesäss oft heller, bei Hoodies das Bündchen etwas weicher.
Löcher, Flecken oder fehlende Teile gehören hier nicht rein; wenn doch etwas ist, muss es genannt sein. Wer ein Teil zum Tragen sucht und nicht zum Aufheben, fährt mit dieser Stufe meist am besten.
Getragen: sichtbare Spuren, aber benannt
Getragen heisst, dass man das Alter sieht: verblasste Farbe, deutliches Pilling, ein gerissener Print, eine reparierte Naht, ein kleiner Fleck. Entscheidend ist nicht, dass es Spuren gibt, sondern dass jede einzelne in Text und Foto auftaucht.
Bei Vintage-Stücken ist genau das oft der Punkt — ein ausgewaschener Hoodie lässt sich neu nicht kaufen. Lies die Beschreibung hier besonders genau und schau dir die Detailfotos an, statt nur das Titelbild.
Was die Zustandsangabe nicht beantwortet: die Passform
Der Zustand sagt nichts darüber, ob dir das Teil passt. Grössenlabels unterscheiden sich zwischen Marken und zwischen Jahrgängen derselben Marke stark, und gewaschene Baumwolle kann eingelaufen sein.
Deshalb zählen die Flachmasse: Brustweite von Achselnaht zu Achselnaht, Schulterbreite von Naht zu Naht, Gesamtlänge vom höchsten Schulterpunkt bis zum Saum. Leg ein Teil, das dir gut passt, flach hin, miss dieselben Punkte und vergleiche die Zahlen direkt. Weiten werden flach gemessen, den vollen Umfang bekommst du mit mal zwei.
So liest du Fotos und Beschreibung zusammen
Jedes Teil bei uns wird einzeln geprüft, gemessen und fotografiert — die Bilder zeigen also genau dieses Stück, nicht ein Musterfoto. Zoom auf vier Stellen: Innenkragen, Ärmelbündchen, Print und Reissverschlusszieher. Dort zeigt sich Verschleiss zuerst.
Prüf ausserdem das Innenetikett, denn Waschzettel und Grössenlabel verraten oft mehr über Alter und Produktion als das Aussenbild. Wenn Text und Foto sich widersprechen, frag nach, bevor du bestellst.
Noch offen
Ist 'Neu' dasselbe wie 'Neu mit Etikett'?
Nicht ganz. Neu bedeutet ungetragen und ohne Mängel — das Etikett kann fehlen, weil es abgeschnitten wurde. Neu mit Etikett ist die engere Variante, bei der das Originaletikett noch dranhängt. Für den Tragezustand macht das keinen Unterschied, für Sammler schon.
Kann ich Zustandsangaben verschiedener Shops direkt vergleichen?
Nur eingeschränkt. Jeder Anbieter legt seine Stufen selbst fest, und die Namen ähneln sich stärker als die Definitionen dahinter. Ein 'Gut' beim einen kann dem 'Sehr gut' beim anderen entsprechen. Lies deshalb immer die Erklärung der Stufen und die konkrete Artikelbeschreibung, nicht nur das Label.
Lassen sich Gebrauchsspuren nachträglich entfernen?
Ein Teil davon ja. Knötchen an Baumwolle und Wolle lassen sich mit einem Fusselrasierer abnehmen, und viele leichte Geruchs- und Knitterspuren verschwinden nach dem Waschen oder Dampfen. Nicht rückgängig machen lassen sich verblasste Farbe, gerissene Prints und ausgeleierte Bündchen. Plane das ein, wenn du zwischen zwei Stufen schwankst.
Worauf achte ich bei Streetwear besonders?
Auf die Stellen, die bei Hoodies und Jacken zuerst nachgeben: Kordelenden in der Kapuze, die Rippbündchen an Ärmel und Saum, den Druck auf Brust und Rücken sowie den Reissverschluss auf ganzer Länge. Bei Denim schau auf Saumkante und Knopfleiste. Diese Details entscheiden oft mehr über den Gesamteindruck als eine kleine Waschspur.
Passende Marken bei uns
Weiterlesen
Alle Ratgeber →
Kaufen & Sparen
Lohnt sich gebrauchte Streetwear? Woran du ein gutes Teil erkennst
Ja, bei den meisten Teilen lohnt es sich — aber nicht bei jedem. Streetwear ist auf schwere Stoffe und feste Nähte gebaut, und ein Hoodie aus dickem Loopback oder eine Canvas-Jacke sind nach zwei Jahren oft kaum am Ende. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern was der Stoff schon hinter sich hat: Pilling, ausgeleierte Bündchen, dünn gewaschene Schultern. Wenn du weißt, wo du hinschaust, erkennst du das an drei, vier Stellen in einer Minute.
Lesen →
Kaufen & Sparen
Retoure bei Secondhand: was zurückgeht, was nicht
Ja. Bei einer Online-Bestellung hast du 14 Tage Rücktrittsrecht, und das gilt für gebrauchte Teile genauso wie für neue — auch bei Einzelstücken. Zurückgehen kann alles, was du anprobiert, aber nicht getragen, gewaschen oder geändert hast; den Rückweg zahlst du. Was kein Rücktrittsgrund ist: dass ein Teil gebraucht aussieht, obwohl genau das im Zustand steht und auf den Fotos zu sehen war. Der Unterschied zwischen einer beschriebenen Gebrauchsspur und einem echten Mangel entscheidet fast jeden Fall.
Lesen →Verkaufen & Tauschen
Worauf ein Ankäufer bei gebrauchter Kleidung schaut
Zuerst auf den Zustand: Löcher, Flecken, Pilling, ausgeleierte Bündchen, Geruch. Danach auf Marke, Größe, Vollständigkeit und darauf, ob das Piece gerade gesucht wird. Wer ankauft, rechnet vom Weiterverkauf her und nimmt an, was sich ohne Nacharbeit wieder anbieten lässt. Alles andere geht zurück oder in die Verwertung.
Lesen →